Mit Alessandro Wärzner und Julia Jopp von Refurbed spreche ich über die permanente Aufgabe, Stess im Unternehmen zu bearbeiten.
Bei Refurbed haben wir 9 Werte definiert, nach denen wir im Unternehmen leben wollen. Wir sind eine Community und wollen Leistung und Spaß verbinden. Offene Kommunikation ist uns wichtig. Wir agieren sehr datengetrieben. Unsere 360 Grad Feedbackkultur versuchen wir permanent zu leben. In unserem Team/Teams ist es uns wichtig, dass jede Person ihre Rolle im Team kennt und den eigenen Beitrag zum gemeinsamen Projekt.
Wir machen monatlich eine kurze Teamdiagnose, auf Basis von unserem Mood-Barometer, welches auf 6 Rating Fragen und einer offenen Frage basiert:
1. Overall, I am happy at refurbed.
2. I am happy with my team.
3. I am happy with my direct supervisor.
4. Overall, I am happy with how my department is managed (e.g. whole Product department).
5. Stress means a situation in which a person feels tense, restless, nervous or anxious or is unable to sleep at night because their mind is troubled all the time. Did you feel this kind of stress during the last four weeks?
6. Workload: During the last four weeks, I got behind with my work.
7. Is there anything else you want to share?
Die Ergebnisse analysieren wir auf Team Ebene. Die Führungskräfte sprechen wir mit ihren Teams darüber, um so eine offene und wertschätzende Teamkultur zu fördern. Wir vom Happiness, Learning & Development Team bieten entsprechend der möglichen Problemstellungen zielgerichtete Coachings und Workshops an. Wichtige Themen sind Feedback, Kommunikation, Resilienz und Wertschätzung.
Einmal im Jahr führen wir unsere Organizational-health Studie durch. Diese basiert auf dem “Copenhagen Psychological Questionnaire” um Arbeitsbelastungen aber auch Arbeitsressourcen zu messen und die Ergebnisse mit Benchmark Werten zu vergleichen.
Das Arbeitsengagement messen wir mit der Utrecht Work-engagement Skala.
Unsere Wichtigsten Schlüsse daraus:
Besonders im Remote Kontext ist es schwerer Anerkennung zu zeigen. Deshalb wurde ein Recognition Programm gestartet, mit dem wir versuchen mehr Möglichkeiten zur Anerkennung von Leistungen zu schaffen. Hier wird ein monatlicher People/Team Award verliehen. Das Preisverleihung-Committee setzt sich mehrmals im Jahr durch Freiwillige neu zusammen, die Award Gewinner werden in unseren monatlichen Townhall Meetings präsentiert.
In der Kommunikation haben wir die Zielsetzung, Zusammenhänge besser zu erklären. Jedes Team Mitglied soll wissen, wo ist mein Anteil am Gesamterfolg? Was kann ich tun/beitragen zum Gesamterfolg?
Die Kommunikation innerhalb der Abteilungen konzentriert sich heute noch stärker darauf, den Sinn und Wert der einzelnen Arbeitsleistung zu definieren und transparent zu machen. Hierfür haben wir unternehmensweit einen strukturierten Prozess angestoßen (Job-goal-alignment conversations) bei dem sich Mitarbeitende_r und Führungskraft sehr detailliert über die Rolle, Ziele und Erwartungen, Aufgaben und deren Kontext unterhalten. Heute ist es wichtig, Sinnzusammenhänge genau zu erklären. Wenn wir im Unternehmen einfach nur ein gemeinsames Ziel verfolgen, fehlt für den Einzelnen manchmal der Sinn, da der eigene Beitrag zum Ziel zu klein erscheinen mag (im Sinne der Ganzheitlichkeit von Aufgaben). Dieser kann hinter dem gemeinsamen Ziel rasch verloren gehen. Eine Einbindung aller in die Zielfindung und Definition bringt hier sehr viel für das gemeinsame Engagement. Hierfür verwenden wir Objectives & Key Results (OKRs).
Über einen externen Partner bieten wir unseren MitarbeiterInnen auch 6 Einzelcoaching Sitzungen im Jahr, dieses Angebot wird sehr gut genutzt.
Intern bieten wir Stressmanagement Kurse an, die für alle offen sind. Inzwischen gibt es einen regen Austausch unter KollegInnen.
Wir haben auch verschiedene Communities of practice eingerichtet – dabei geht es um den Austausch zwischen KollegInnen. Z.B Project Management, Leadership community
Bereits im Onboarding gibt es einen Kommunikationsworkshop
Jeden Dienstag führt meine Kollegin Juliane eine Onlinemeditation durch.
Die Offenheit im Unternehmen hat sich sehr positiv verändert. Über Stressthemen zu sprechen, erleichtert und verbindet, egal ob im Einzelcoaching oder in der Gruppe.
Was ist gut für mich, was ist gut für die Firma? Würde ist uns wichtig, unser gesamtes System ist getragen von Vertrauen.
Die Krankenstandsraten sind bei Refurbed sehr gering.
Bei der Arbeitszeit haben wir ein Flexi-time-model. Remote Arbeiten ist üblich. 100% online Arbeit ist möglich. Im Jahr sind 3 Wochen Office Work vorgesehen.
Unsere Workation policy ermöglicht es, bis zu 3 Monate innerhalb der EU zu arbeiten. Wir arbeiten auf Basis einer Vertrauenskultur. Die Führung legitimiert ihre Kontrolle nicht durch „daneben stehen“ und „drauf schauen“. Das ist wohl eher eine Generationenfrage.
Manche MitarbeiterInnen arbeiten besser von zu Hause, die Aufmerksamkeit ist fokussiert, im Büro kann Lärm ablenken.
Ohne Autonomie geht es nicht, Autonomie ist bei uns ein wichtiger Punkt in der Führung. Einige Beispiele: Hunde im Office sind ok, bei Arztbesuchen müssen MitarbeiterInnen nicht Bescheid geben, Arbeitszeit ist Vertrauenssache, wir aber natürlich den gesetzlichen Vorgaben aufgeschrieben.
Zweimal im Jahr arbeiten wir am personal development plan, dieser wird aber während des Jahres laufend adaptiert. Laufend entwickeln wir uns weiter, die Entwicklungsmöglichkeiten sind nicht starr. Wir können während der Zeit unter- oder überfordert sein, daher braucht es regelmäßige 1:1 Gespräche und 2-mal im Jahr einen Development talk, den jede Person selbst verfolgen und initiieren kann.
Darf ich Sie beide noch um Ihre ganz persönlichen Stresstipps bitten:
Stresstipp:
Juliane: Die 80-20 Regel anwenden, regelmäßig Pausen einplanen, Prioritäten setzen, eigene Wünsche und Grenzen klar kommunizieren, Unveränderliches akzeptieren und bei Veränderbarem handeln, sich auf Lösungen statt Probleme konzentrieren, sowie klare persönliche Ziele definieren.
Alessandro: Ich rate dazu, im Kalender spezielle Zeiten für Fokus und Kommunikation festzulegen. Das ständige Wechseln zwischen eingehenden Nachrichten und meinen Aufgaben stellt eine erhebliche Belastung für mein Gehirn dar. Indem ich Zeiten für konzentriertes Arbeiten einplane, erreiche ich mehr, und das mit geringerem Kraftaufwand und weniger Energieverbrauch.